Dringender Sanierungsbedarf an Mittelstromleitungen

Storch-Killer Stromleitung

RA today: Noch immer sterben 70 Prozent der Störche durch Stromkabel. Foto: Beatrix Ottmüller
Noch immer sterben 70 Prozent der Störche durch Stromkabel. Foto: Beatrix Ottmüller

Die häufigste Todesursache der Weißstörche, die inzwischen erfolgreich wieder im Südwesten angesiedelt wurden, ist der Strom-Tod und die Kollision mit Kabeln. Der NABU, der in diesem Jahr mit einem Plus von zehn Prozent bei Jungstörchen in Baden-Württemberg rechnet, warnt vor der Gefahr durch Strom für die Zugvögel.

Johannes Enssle, NABU-Landesvorsitzender, sagt: „Gefährlich ist nicht nur die Reise der Störche in den Süden. Auch in Baden-Württemberg sind Großvögel gefährdet, weil viele Mittelstromleitungen noch nicht vogelfreundlich nachgerüstet sind. Wenn Vögel darauf landen, sterben sie.“ Das Problem sei seit Jahren bekannt: Das Bundesnaturschutzgesetz schreibt eine Sanierung gefährlicher Masten vor. „Die Netzbetreiber drücken sich seit mittlerweile fünf Jahren vor der Aufgabe. Das Land muss dringend auf die Nachrüstung pochen“, betont Joannes Enssle.

Stromschlag auf Masten

Vor allem auf Mittelspannungsleitungen, die Masten mit hohen Erdpotenzial und Isolatoren besitzen, besteht die Gefahr von Stromschlägen. Betroffen sind vor allem große Vogelarten, die die Masten und Traversen als Sitzwarte, Schlaf- oder Brutplatz nutzen. Aufgrund ihrer Körpergröße sind diese Arten in der Lage, Isolatoren zu überbrücken oder getrennt hängende Leitungsseile kurz zu schließen. Meist geschieht dies, wenn die Tiere Flügel oder Beine strecken. Die Gefahr lässt sich durch Keramikisolatoren oder isolierte Sitzträger über dem Querträger bannen. Diese müssen länger als 60 Zentimeter sein.

RA today: Störche rasten gerne auf Strommasten, das wird ihnen oft zum Verhängnis. Foto: Beatrix Ottmüller
Störche rasten gerne auf Strommasten, das wird ihnen oft zum Verhängnis. Foto: Beatrix Ottmüller

Leiter- und Erdseile werden übersehen

Auch der Anflug von Leiter- und Erdseilen stellt für Vögel ein Risiko dar. Besonders betroffen sind Vogelarten, die räumlich nicht gut sehen oder nicht wendig sind. Schlechtes Wetter, Nebel oder Niederschläge sowie starke Windböen erhöhen das Kollisionsrisiko. Ebenso plötzlicher Lärm. Die Tiere erschrecken und versuchen zu flüchten.

Vergleichsweise häufig treten Unfälle am Erdseil von 380 KV-Leitungen auf, das wesentlich dünner ist als die Leiterseile. Oft passieren Unfälle, wenn die Vögel die Leiterseile erst in letzter Sekunde erkennen und versuchen, nach oben auszuweichen.

Vogelfreundliche Stromtrassen

Um die Risiken für den Vogelflug möglichst gering zu halten, ist eine vogelfreundliche Trassenführung notwendig. Dies bedeutet, dass funktionale Bereiche wie Nahrungshabitat und Brutplatz nicht durch eine Trasse getrennt werden dürfen. Rastgebiete, insbesondere Gewässer, müssen großräumig gemieden werden

Besonders problematische Leitungen können mit sogenannten Markern nachgerüstet werden. Es ist ausreichend, diese in den gefährlichen Leitungsbereichen am Erdseil anzubringen. Insbesondere bei großen Vogelarten kann dadurch das Anflugrisiko deutlich gesenkt werden, sagt die Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten (LAG VSW). Davon profitiert auch der Weißstorch.

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