Samstag,28. März,2020

Aus dem Stadtmuseum: „Frühlings-Blätter aus Baden-Baden“

Da die Ausstellung aktuell geschlossen bleiben muss, präsentieren Dr. Katja Mikolajczak und Heike Kronenwett vom Stadtmuseum Baden-Baden in lockerer Folge einige Objekte aus der Sammlung. Dazu gehört auch die Werbebroschüre „Frühlings-Blätter aus Baden-Baden“.

Stadt-Marketing ist keine Erfindung unserer Zeit, nur der Name ist neu. Schon Ende des 19. Jahrhunderts ergriff das damalige Kurkomitee zahlreiche Werbemaßnahmen, um die Attraktivität der Kurstadt herauszustreichen. Dazu gehörte eine aufwändige Publikation mit dem Titel „Frühlings-Blätter aus Baden-Baden“, von der sich ein Exemplar in der Historischen Sammlung des Stadtmuseums befindet.

Schillernde Werbebroschüre lobt Vorzüge der Kurstadt

Im September 1892 war das Büro für Internationale Publikationen in Berlin an das Kurkomitee herangetreten, ob nicht Interesse an einem dreisprachigen Werbeheft für Baden-Baden bestünde. Im selben Jahr war in Dresden ein Heft der „Frühlings-Blätter“ erschienen, das als „Wegweiser durch Dresden und Schandau“ dienen sollte und zugleich die sächsische Industrie bewarb. Nach diesem Vorbild sollte nun auch das „Pracht-Reklame-Heft“ für Baden-Baden in ungewöhnlicher Magazinform und mit reicher Bebilderung gestaltet werden. Die Texte verfasste Richard Pohl, Kulturjournalist, Musikkritiker und Redakteur des Tagblatts. Überschrieben mit „Frühlingstage in Baden-Baden“, die „nirgends schöner als im Oostal sein können“, führt Pohl den Leser in Superlativen zu den bekannten Sehenswürdigkeiten in der Stadt und der Umgebung. Gleichzeitig bietet er in feuilletonistischer Weise einen historischen Abriss und betont die Bedeutung Baden-Badens als Kur- und Badeort.

Die Broschüre zeigt die schönen Seiten der Kurstadt und lobt Hotels und Klinken in höchsten Tönen. Foto: Stadtmuseum Baden-Baden

Einem Reklame-Heft entsprechend werden ausführlich die zahlreichen im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts entstandenen Privatkliniken vorgestellt und bewertet. Der Leser erfährt, dass in Dr. Otto Emmerichs Heilanstalt für Morphium-Kranke die Patienten „unter der persönlichen Aufsicht des energischen, jungen Arztes“ stehen und er schaut auf das Interieur des Operationssaales der 1891 gegründeten Frauenklinik von Dr. Rudolf Zille. Ebenso werden die Vorzüge der damaligen großen Hotels wie Holländischer und Europäischer Hof, Messmer, Minerva, Stephanie oder Bellevue gepriesen. Dies war auch insofern von Bedeutung, als im Anhang europäische Hotels Werbung schalteten und die „hervorragenden“ Mitglieder des internationalen Vereins der Gasthofbesitzer, zu denen Otto Kah, Inhaber des Europäischen Hofes, gehörte, vorgestellt werden. In höchsten Tönen lobt der Autor das Bekleidungshaus von L. Mayer am Leopoldsplatz mit Filiale in Heidelberg und Versandgeschäft, das Mode, wie sie in Paris, Trouville oder Hastings und Brighton getragen wurde, anbot. Zudem wird das Gebäude der Firma Thiergärtner (heute Goldenes Kreuz) und deren Portfolio vorgestellt. Die Firma lieferte weltweit Sanitäranlagen, Fernsprecher, Personenaufzüge und Kücheneinrichtungen an Hotels, Bäderanstalten und Schlösser.

Übersetzungen ins Englische und Französische waren fehlerhaft

Der Weg bis zur Drucklegung des Heftes war mit Schwierigkeiten gepflastert und füllt eine Akte im Stadtarchiv. So konnte der ursprünglich geplante Erscheinungstermin zum Start der Saison im Mai 1893 nicht eingehalten werden. Zunächst wurden Texte nicht rechtzeitig geliefert, dann gab es Kritik an den Übersetzungen ins Englische und Französische. Man beurteilte diese als „sehr mangelhaft und wenig schwungvoll“. Thomas Maynard, Mitglied der Anglikanischen Gemeinde attestierte, dass die englische Übersetzung „too mot à mot“ sei und der Text insgesamt ein spröder und uninteressanter „catalogue of beauties“. Mit der Korrektur der schlimmsten Auswüchse stiegen die Herstellungskosten.

Großherzogliche Wappen wurde falsch gedruckt

Als das Heft endlich ausgeliefert werden konnte, stellte man in Baden-Baden fest, dass bei 33 Exemplaren das großherzogliche Wappen falsch gedruckt worden war. Auf entsprechende Einwände schlug der Verlag als pragmatische Lösung vor, die fehlerhaften Hefte ins Ausland zu liefern, wo man mit den Feinheiten der badischen Heraldik sicher nicht so vertraut sei. Letztlich wurde davon aber Abstand genommen. Interessant ist, dass das Heft nach Erscheinen 1894 an 122 führende Hotels in ganz Europa verschickt wurde. Zu den exklusiven Empfängern gehörte zudem Jagatjit Singh, der spätere Maharadscha von Kapurthala, einem Fürstentum in der Region Punjab in Indien.

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