Montag,20. Januar,2020

„Tanzen zu können gehört heute wieder zur Allgemeinbildung“

Rastatt und die Tanzschule Müller – da passt kein Blatt Papier dazwischen. OB Hans Jürgen Pütsch lobte jetzt überschwänglich das Familienunternehmen, das sich beim Neujahrsempfang in der BadnerHalle (RA today berichtete). Seit mehr als 50 Jahren sei die Tanzschule eine Institution und ein gesellschaftlicher Anziehungspunkt, ein sehr wertvolles und kulturelles Angebot und ein Aushängeschild der Stadt Rastatt. „Tanzen zu können gehört heute wieder zur Allgemeinbildung“, sagte der Oberbürgermeister. Dass die Müllers jungen Menschen neben Tanzschritten auch zeitgemäße Benimmregeln vermitteln, begrüßt Hans Jürgen Pütsch ebenfalls.

Ralf Müller und seine Frau Olga tanzten ihre siegreiche WM-Kür zur Musik aus der Oper „Carmen“. Foto: Ute Heidelberg

Viermal Welt- und zweimal Europameister, achtmal Deutsche Meister und mehrfache Sieger bei den German-, French-, British- und US-Open: Ralf Müller und seine Frau Olga Müller-Omeltchenko haben in ihrer gemeinsamen Karriere alles gewonnen, was es im Tanzsport zu gewinnen gibt. Beim Neujahrsempfang zeigten sie ihre Kür, mit der sie dreimal die WM für sich entscheiden konnten. Ihr Tanz zur Musik aus der Oper „Carmen“ wurde vom Publikum gefeiert.

Lösegeld erpresst

Ralf Müller erzählte beim Neujahrsempfang unter anderem, wie er Olga im Jahr 1990 kennen- und liebengelernt hat. Eine aufregende Geschichte mit Krimi-Potenzial, denn der damalige Tanzpartner der gebürtigen Moskauerin wollte sie zunächst nicht freigeben, entführte sie kurzerhand und erpresste 1.200 Euro Lösegeld für die Herausgabe ihres Passes. Am Valentinstag im Jahr 1991 gaben sich die beiden schließlich das Ja-Wort.

Im In- und Ausland gefragt

Die Karriere von Ralf Müller und seiner Frau währte zehn Jahre. Dann verabschiedeten sie sich vom aktiven Turniersport und unterrichten seitdem Hobby-Tänzer ebenso wie Profis. Mindestens zweimal im Jahr veranstalten sie internationale Trainingscamps, mit denen sie Paare aus ganz Europa, Amerika, Japan und anderen Ländern dieser Welt noch ein bisschen besser machen. Beide besitzen die Trainer A-Lizenz und sind auch als Wertungsrichter im In- und Ausland gefragt.

Tom Müller und Tanzpartnerin Lea Serban wurden vom Pubikum in der BadnerHalle gefeiert. Foto: Ute Heidelberg

Begeisterten Applaus erhielt beim Neujahrsempfang der ganze Stolz der Familie Müller: Der zwölfjährige Sohn Tom und seine Tanzpartnerin Lea Serban, amtierende Landesmeister D-Latein Baden-Württemberg in ihrer Altersklasse, rissen die Zuschauer mit ihrem Showtanz von den Sitzen. „Als ich zwölf Jahre alt war, habe ich nicht so gut getanzt wie Tom“, kommentierte ein sichtlich stolzer Papa den Auftritt.

Diese Buben und Mädchen tanzen erst seit vergangenem Oktober und machten ihre Sache super! Foto: Ute Heidelberg

Die Müllers führen Kinder schon im Alter von vier Jahren an das Tanzen heran, nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Beim Neujahrsempfang präsentierten sich zwölf Kinder mit einem „Pinguin Cha-Cha-Cha“ und die Erwachsenen – unter ihnen auch ein 83-jähriger Tänzer – drehten sich auf der Bühne im Walzertakt, tanzten einen Cha-Cha-Cha und einen Quickstep.

Die Erwachsenen-Paare präsentierten in der BadnerHalle drei Tänze. Foto: Ute Heidelberg

Peter Müller, der in vier Wochen seinen 80. Geburtstag feiern kann, plauderte charmant über die Zeit, als er noch mit seiner Frau Doris – einer ausgebildeten Tanzlehrerin – in Offenburg Schülern die ersten Schritte vermittelte. Im Jahr 1968 zog es die heutigen Seniorchefs nach Rastatt, wo sie zusätzlich im damaligen Konvikt und heutigen Bildungshaus St. Bernhard die ersten Kurse gaben. „Damals standen die Schüler zu unserer Begrüßung noch Spalier“, erzählte er schmunzelnd.

Zwischen Offenburg und Rastatt gependelt

Jahrelang pendelten die Müllers zwischen Offenburg und Rastatt hin und her, unterrichteten Lehrerpaare im Tulla-Gymnasium und gaben unter anderem im Löwensaal, in Restaurants und anderswo Tanzunterricht für jedermann. Im Jahr 1971 erwarben sie schließlich das Gebäude in der Moltkestraße 1, in dem sich noch heute Müllers Tanzschule befindet, die Sohn Ralf seit dem Jahr 2012 gemeinsam mit seiner Frau leitet.

Senior-Chef Peter Müller erzählte mit launigen Worten, wie in Rastatt alles begann. Foto: Ute Heidelberg

Als Peter und Doris Müller das leerstehende, verwahrloste Haus zum ersten Mal betraten, in dem früher eine „Gänseleber- und Pastetenproduktion mit eigener Schneckenzucht betrieben wurde“, sei der Gestank kaum auszuhalten gewesen, erinnerte sich der Seniorchef. Sie sanierten ihr neues Domizil, richteten einen 100 Quadratmeter großen Tanzsaal und eine Bar ein und eröffneten im Jahr 1973 „Müller´s Tanzschule“. Im Laufe der Jahre kamen weitere 100 Quadratmeter Tanzfläche und ein Studio im ersten Obergeschoss hinzu. „Wir haben insgesamt 15 Mal an- und umgebaut“, so Peter Müller.

„Hört auf die Alten, bevor sie erkalten!“

Während seiner launigen Präsentation gab es immer wieder Beifall – unter anderem für seinen Hinweis, dass er seit nunmehr 55 Jahren mit seiner Frau Doris verheiratet sei. Beide helfen noch heute in der Tanzschule aus, kümmern sich um die Enkelkinder Tom (12) und Len (4) und sind sehr glücklich darüber, dass ihr Sohn Ralf ihr Lebenswerk „mit großem Erfolg“ fortführt. Zum Schluss hatte Peter Müller nochmals die Lacher auf seiner Seite. Denn seinen aufmerksamen Zuhörern gab er den guten Rat mit auf den Heimweg: „Hört auf die Alten, bevor sie erkalten!“

Lesen Sie hier unseren Beitrag zur Neujahrsansprache von OB Hans Jürgen Pütsch.

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